Die Hertie-Berlin-Studie
Wie tickt die Hauptstadt?
Wie ist es um die innere Einheit in der deutschen Hauptstadt bestellt, fast zwei Jahrzehnte nach dem Fall der Mauer? Welches Bild haben die Berliner von sich und ihrer Stadt, die vielen als die spannendste des Kontinents gilt? In der jahrzehntelang geteilten Stadt prallen die Gegensätze ungebremst aufeinander: arm und reich, West und Ost, einheimisch und eingewandert, der Zukunft zugewandt und längst abgeschrieben. Wie lebt die Hauptstadt mit diesen Gegensätzen? Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung hat in einer groß angelegten Studie unter der Leitung des Sozialwissenschaftlers Klaus Hurrelmann und des Politologen Michael Zürn in Kooperation mit dem Stadtforscher Hartmut Häußermann die Bevölkerung der deutschen Hauptstadt nach ihrer Lebenslage und ihrem Lebensgefühl befragt, TNS Infratest Sozialforschung hat die Daten erhoben und ausgewertet. Weltweit gewinnen Städte und Metropolen immer mehr an Bedeutung. Hier verdichten sich Problemstellungen, hier ist aber auch das Reformpotenzial besonders groß. Gleichzeitig entwickeln urbane Lebensentwürfe und -verläufe Modell- und Maßstabscharakter und gewinnen so über die Ballungszentren hinaus gesellschaftliche Gestaltungkraft. Berlin nimmt innerhalb Deutschlands eine Sonderstellung ein, nicht nur wegen seiner Größe und Funktion als Hauptstadt, sondern auch wegen der ungeheuren Dynamik, die die Stadt seit dem Fall der Mauer erlebt. Die Hertie-Stiftung hat die neue Hertie-Berlin-Studie 2009 initiiert und mit rund 200.000 Euro finanziert. Als Reformstiftung, die ihre Modellprojekte überwiegend in Großstädten ansiedelt, sind für sie die gesellschaftlichen Verhältnisse in städtischen Ballungsräumen von besonders hohem Interesse. Für diesen neuen Typus einer vertiefenden Stadtstudie gibt es in Deutschland kein Vorbild.
Kann Berlin die große Integrationsleistung erbringen, die erforderlich ist, um die zunehmende Heterogenität seiner Bevölkerung zu bündeln und ein Auseinanderfallen der Stadtgemeinschaft zu verhindern? Dies ist die Leitfrage der Hertie-Berlin-Studie. Im Gegensatz zu bisherigen Stadtstudien, die den Schwerpunkt auf Wirtschaft, Politik und Verwaltung oder auf bestimmte Teilgruppen legten, nimmt die Hertie-Berlin-Studie die gesamte Bevölkerung der Stadt in den Blick: Sie stützt sich auf eine repräsentativ zusammengesetzte Stichprobe von 2.000 Berlinern ab 14 Jahren, die im April 2008 telefonisch befragt wurden. Außerdem porträtiert sie 10 Berliner Migrantinnen und Migranten, die in Tiefeninterviews befragt wurden. Ziel war es, ein Bild von den Einstellungen, den Wünschen und den sozialen Lebensbedingungen der Berliner Bevölkerung zu zeichnen und innerhalb Berlins unterschiedliche Lebenswelten zu identifizieren. Unabhängig von den Interpretationen der Autoren liefert die Hertie-Berlin-Studie Rohmaterial für weitere Arbeiten und bietet Ausgangsdaten für politische und wirtschaftliche Entscheidungsprozesse in der Hauptstadt an. „Die Hertie-Berlin-Studie ist vorerst eine Momentaufnahme, die uns ein sehr umfassendes Bild der Berliner und wertvolle Erkenntnisse über das Gemeinwesen in der deutschen Metropole liefert,“ so Dr. Michael Endres, Vorstandsvorsitzender der Hertie-Stiftung. „Sie ist jedoch keine zweckgerichtete, einmalige Studie. Wir haben damit die Grundlage für weitere Untersuchungen dieser Art gelegt. Wir möchten die Hertie-Berlin-Studie in regelmäßigen Abständen durchführen, um Entwicklungstendenzen in unserer Gesellschaft nachzugehen.“

